ACST International

Trauma und die "conditio humana"

 
"Warum…? …denn hier zu sein verlangt so viel, denn all dies hier und jetzt, so flüchtig, scheint uns zu verlangen und seltsam zu betreffen, UNS, die Flüchtigsten von allem…"

(frei nach Rainer Maria Rilke: Die neunte Elegie)



Zu den wesentlichen Folgen von Trauma gehören Dissoziation, chronische Schmerzen, existentielle Verzweiflung und ein tiefes Gefühl der Entfremdung. Diese „zerbrochenen Verbindungen“ stehen für die Fragmentierung der Beziehung zu sich selbst, zu anderen und der größeren Matrix, die im menschlichen Leben unterstützend wirkt; das gleicht dem, was Martin Buber „…eine Wunde in der Ordnung des Seins“ nannte. Innerhalb dieser Fragmentierungsmuster können wir somatisch enkodierte Stressmuster in unseren Gefühlen und unserem Verhalten vorfinden, die im Verlauf der Zeit im ganzen Körper auftauchen.

Die bei ACST-International entwickelten Ausbildungs-, Forschungs- und Behandlungsprogramme gründen auf der Erkenntnis, dass psychophysiologische Manifestationen von Trauma sich direkt im Verhalten des Menschen als sozialem Wesen im gesamten Lebenszyklus widerspiegeln. Daher betonen wir bei unserer Arbeit die kontextuellen Konsequenzen von Trauma, die eben nicht nur auf den Traumatisierten selbst wirken, sondern auch auf die Menschen, mit denen er in Beziehung steht. Sie wirken sich also auch auf das weitere Umfeld, auf lokale, nationale oder globale Gemeinschaften aus.

Durch mehr als zwanzigjährige Erfahrung im Studium, in der Behandlung, Lehre und Arbeit mit Trauma, sowie durch das Studium der Geisteswissenschaften, der Geschichte und der Kunst entwickelte sich bei Anngwyn St. Just eine Sicht, in der Trauma als integralen Bestandteil der "conditio humana" verstanden wird. Durch humanistische Studien und einen Blick auf die Geschichte sowie aktuelle Ereignissen entdecken wir, dass wir von diesen überwältigenden Ereignissen, die wir als ‚traumatisch' im Leben des Einzelnen, der Gemeinschaft, im nationalen wie auch internationalen Leben erleben, immer auf die eine oder andere Weise umgeben waren. „Trauma und die ‚conditio humana’“ bietet eine systemische, generationsübergreifende und kulturelle Sicht. Wir erforschen unsere Verantwortlichkeiten und Potenziale hinsichtlich des Reaktionsspektrums des menschlichen Nervensystems auf überwältigende Lebensereignisse, worin das Geheimnis, das Abenteuer und die Kunst in unserer Arbeit enthalten sind.